2.Verhandlungsrunde ohne Ergebnis ebenfalls vertagt !

Tarifverhandlungen 2026

 24.02.2026

Das war wohl nix: Die zweite Runde der Tarifverhandlungen für die Chemiebranche wurde am Dienstag ohne Ergebnis vertagt. Das Angebot der Arbeitgeberseite sei zu weit von der Lebensrealität der Beschäftigten entfernt, so IGBCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich. Weiterverhandelt wird nun in einer dritten Runde Ende März. 

Foto: © Andreas Reeg

Es war ein zähes Ringen, das sich über zwei Tage und eine halbe Nacht hinzog. Ein stetes Auf und Ab, wie IGBCE-Tarifvorstand und -Verhandlungsführer Oliver Heinrich sagte. Allerdings ohne Erfolg. „Die Arbeitgeber haben ein Angebot vorgelegt, das noch zu weit von den Sorgen und der Lebensrealität der Beschäftigten entfernt ist“, bilanzierte Heinrich am Dienstag. „Offensichtlich brauchen sie noch Wochen der inneren Einkehr, damit wir zu sozialpartnerschaftlichen Kompromissen kommen.“ 

In der Nacht von Montag auf Dienstag (24. Februar) hatten die Delegationen von IGBCE und Arbeitgeberverband BAVC bis kurz vor drei miteinander gerungen, am Dienstagmorgen noch mal einen weiteren Verhandlungsversuch gestartet. Doch trotz stundenlanger Gespräche und viel Hin und Her sei nie der Punkt erreicht worden, an dem sich ein Tarifabschluss herauskristallisiert habe, „der wirklich die Kaufkraft stärkt, der über der Inflation liegt“, so Heinrich. Nach dem unzureichenden Angebot des BAVC wird es nun also in die dritte Runde gehen. Es wird dann am 24. und 25. März im rheinland-pfälzischen Bad Breisig für die rund 585.000 Beschäftigten in der Chemie- und Pharmabranche weiterverhandelt.  

Bis dahin werden die Belegschaften in den Betrieben erneut mit zahlreichen Aktionen den Druck erhöhen. „Die Kolleginnen und Kollegen werden klarmachen, dass diese Tarifrunde Antworten auf ihre zentralen Zukunftssorgen liefern muss. Ohne spürbare Fortschritte bei Jobsicherheit und Kaufkraft kann es keinen Abschluss geben“, betonte Heinrich. Er wolle keinen Tarifvertrag haben, „der am Ende einen Kaufkraftverlust darstellt“, erklärte der Verhandlungsführer der IGBCE. „Wir sind klar angetreten für mehr Kaufkraft, für Sicherung der Beschäftigung.“ Bereits zwischen der ersten Verhandlungsrunde Anfang Februar und der jetzigen zweiten Runde hatten sich tausende Beschäftigte im ganzen Land bei zahlreichen Aktionen beteiligt. 

Heinrich wies erneut darauf hin, dass die Entgelte der Chemie- und Pharma-Beschäftigten bis heute fünf Prozent unter dem Niveau von 2018 lägen. „Hier erwarte ich von den Arbeitgebern mehr Verantwortungsbewusstsein und mehr Sinn für Gerechtigkeit.“ Am Ende der Verhandlungen müsse ein Gesamtpaket stehen, das nicht hinter anderen Branchenabschlüssen zurückfalle. Er erinnerte zudem daran, dass Teile der Branche zwar unter Druck stünden. Aber eben in vielen Betrieben der Industrie, etwa im Pharma-Bereich, tiefschwarze Zahlen geschrieben würden und satte Dividenden geplant seien. 

Die Mitglieder der Großen Tarifkommission reagierten frustriert auf den Verlauf der Verhandlungen. „Ich bin maximal sauer“, sagte Kai-Uwe Hemmerich von der Sudarshan Germany Horizons GmbH. „Ich glaube, die Arbeitgeber haben nicht verstanden, worum es hier geht. Wir können doch keinen Kaufkraftverlust vereinbaren für die Leute. Das geht nicht, wir sind eine Gewerkschaft. Das müssen doch auch die Arbeitgeber verstehen.“ 

„Es ist eine bittere Enttäuschung“, sagte Pascal Krüger aus dem Bayer-Werk Leverkusen. Die Arbeitgeberseite habe vor allem erklärt, was alles nicht möglich sei. Dabei bräuchte man jetzt „Lösungen für die Zukunft“, so das Mitglied der Bundestarifkommission. „Retten wir die chemische Industrie, indem wir auf Lohn verzichten? Ist das wirklich deren Ernst? Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Er wünsche sich, dass die Arbeitgeberseite jetzt endlich mal mit „etwas Greifbarem um die Ecke kommt“ und nicht immer nur darüber rede, was nicht gehe.   

Maria Schwarz, die bei B. Braun in der Betriebsstätte Berlin arbeitet, erklärte: „Ich finde es katastrophal, dass die heutige Sitzung vertagt werden muss. Unsere Erwartungen wurden nicht erfüllt.“ Die Erwartungshaltung an die dritte Runde sei nun klar: „Die Arbeitgeber müssen sich bewegen und uns entgegenkommen. Es dürfte auch in ihrem Interesse sein, Arbeitsplätze zu sichern und die Kaufkraft zu stärken.“  

Die IGBCE fordert in dieser Tarifrunde eine Erhöhung der Einkommen für die Tarifbeschäftigten und Auszubildenden, die die Kaufkraft weiter stärkt, sowie tarifliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung. Die Verhandlungen laufen bereits seit Mitte Januar. Nach neun ergebnislosen Gesprächen in den Regionen waren sie Anfang Februar auf die Bundesebene gewechselt.