LANDESBEZIRK HESSEN-THÜRINGEN
Chemie-Tarifrunde Hessen ohne Ergebnis
Ohne Einigung ist heute, am 15. Januar 2026, die regionale Chemie-Tarifrunde in Hessen zu Ende gegangen: IGBCE Hessen-Thüringen und Arbeitgeber konnten sich in Wiesbaden nicht auf ein Ergebnis verständigen. Der Forderung der Gewerkschaft nach einer spürbaren Lohnsteigerung erteilte die Arbeitgeberseite eine klare Absage. Bei der Verhandlung stellten die IGBCE und die Arbeitgeber ihre Sicht auf die wirtschaftliche Lage der Branche dar. Die IGBCE-Jugend appellierte an die Arbeitgeber, in Ausbildung zu investieren, das Ausbildungsplatzniveau zu erhalten und die Zahl wieder zu erhöhen. Jugendvertreterinnen und -vertreter verteilten selbstgebackene “Ausbildungsplätzchen”, die zum Teil zerbrochen waren.

Tarifverhandlung für die Chemische Industrie in Hessen am 15. Januar 2026Foto: © Wolfgang Lenders
Sabine Süpke, IGBCE-Landesbezirksleiterin Hessen-Thüringen betont nach der Verhandlung: „Die Lage der chemischen Industrie in unserer Region ist nur für einen Teil der Betriebe herausfordernd. Der andere Teil der Betriebe kann sich in der derzeitigen Situation relativ gut behaupten, und sie verdienen gut. Außerdem wachsen ihre Bereiche, und es ist ein Beschäftigtenaufbau in der Pharmaindustrie zu sehen. Die Suche nach Fachkräften wird schwierig, dafür braucht es vielfältige Lösungen. Das wissen auch unsere Kolleginnen und Kollegen. Das darf aber nicht bedeuten, dass alle Probleme der Branche auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Für eine gute Zukunft der Branche brauchen wir gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne. Eine Nullrunde kommt daher für uns nicht infrage!” Als sichtbares Zeichen verteilte die IGBCE an die Arbeitgeber wegen ihrer düsteren Sicht der Lage Taschenlampen: “Am Ende des Tunnels ist Licht!”
Für die IGBCE-Jugend trat Linda Schneider ans Mikrofon. Sie hielt eines der “Ausbildungsplätzchen”, die die IGBCE-Jugend in einer mehrtägigen Aktion gebacken hatte, in die Höhe – und zerbrach es: “Wenn wir nicht handeln, werden noch mehr Ausbildungsplätzchen zerbrechen!” Sie forderte die Arbeitgeber auf, in gute Ausbildung zu investieren. “Junge Menschen brauchen Sicherheit.”

Zerbrochene “Ausbildungsplätzchen”: Linda Schneider trat für die IGBCE-Jugend an Mikrofon bei der Tarifverhandlung für die Chemische Industrie in Hessen am 15. Januar 2026Foto: © Wolfgang Lenders
Im Mittelpunkt der laufenden Chemie-Tarifverhandlungen stehen die Forderungen nach Entgeltsteigerungen und Jobsicherung. Diese Tarifforderungen hatte die Bundestarifkommission der IGBCE im Dezember für die bundesweit 585.000 Beschäftigten der Branche beschlossen. Das Motto lautet: „Jeder Job zählt. Jeder Euro zählt.“ Konkret fordert die IGBCE eine Erhöhung der Einkommen für die Tarifbeschäftigten und Auszubildenden, die die Kaufkraft weiter stärkt, sowie tarifliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung.

“Ausbildungsplätzchen” für die Arbeitgeber: Tarifverhandlung für die Chemische Industrie in Hessen am 15. Januar 2026Foto: © Wolfgang Lenders
Denn die IGBCE sieht Nachholbedarf bei den Löhnen, eine spürbare Steigerung der Einkommen sei notwendig und realistisch, so Sabine Süpke. Zudem habe die Politik verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die chemische Industrie zu stärken. Das werde für Wachstum sorgen.

Taschenlampe für den Verhandlungsführer der Arbeitgeber: Tarifverhandlung für die Chemische Industrie in Hessen am 15. Januar 2026Foto: © Wolfgang Lenders
Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie starten zunächst auf regionaler Ebene. In den neun Regionen wird in dieser Tarifrunde vom 14. bis zum 23. Januar verhandelt. Bleiben diese Gespräche ohne Ergebnis, gehen die Verhandlungen auf Bundesebene weiter – beginnend am 3. Februar 2026 in Hannover. Die aktuellen Tarifverträge laufen am 28. Februar 2026 aus.
